Spanische Weine

Ursprünglich war Spanien insbesondere für seine Spirituosen, allen voran der weltberühmte Sherry, bekannt. Doch auch als Weinland hat sich die Nation inzwischen einen großen Namen gemacht, der Weinanbau in Spanien trägt ungefähr zu einem Prozent des Bruttoinlandsproduktes bei und ist verantwortlich für große Teile der Pflege und Entwicklung der Landwirtschaft.

Auch wenn der Weinanbau zwischenzeitlich in Spanien fast verschwunden war, lassen sich seine Anfänge bis in die Zeit der Phönizier zurückverfolgen. Heute besitzt das Land rund 1,2 Millionen Hektar Weinanbaufläche und stellt damit die größte Rebfläche der Welt zur Verfügung. Innerhalb der Europäischen Union besitzt Spanien somit rund 33 % der gesamten Weinanbaufläche. Zum Vergleich: Zwei weitere große Weinnationen, Italien und Frankreich, besitzen nur jeweils etwa 15 % der Weinanbaufläche. Auch weltweit gehört Spanien zu den führenden Weinanbaunationen und besitzt derzeit etwa 15 % der gesamten Weinanbaufläche.

Die Landfläche Spaniens ist in 17 autonome Regionen aufgeteilt. In jeder dieser Regionen wird Wein angebaut, in der einen mehr, in der anderen etwas weniger. Die Regionen sind nochmals in die unterschiedlichsten Weinbaugebiete eingeteilt, derzeit gibt es 67 verschiedene Herkunftsbezeichnungen für spanische Weine.

Geschichte der spanischen Weine

Heute kann nicht mehr eindeutig zurückverfolgt worden, an welchem Ort in Spanien der erste Weinbau betrieben wurde. Die Mehrheit der Experten vermutet jedoch, dass die südwestliche Küste Andalusiens die Heimat der ersten Weinberge in Spanien darstellt. Der Weinbau in Spanien soll zurückgehen auf die Phönizier, welche vor etwa 3.000 Jahren auf der iberischen Halbinsel lebten. Von den Küsten aus zog das Volk landeinwärts und gründete zahlreiche Städte. Insbesondere um die Stadt Jerez begannen sie damit, an den benachbarten Berghängen Weinstöcke anzupflanzen. Dass der Wein in dieser Region so gut gedieh, ist auch dem Wetter zuzuschreiben. Das warme Klima ohne viel Regen sorgte dafür, dass hier die Trauben für schmackhafte, süße und gehaltvolle Weine wachsen konnten. Die daraus hergestellten Weine nahmen die Phönizier dann auf ihre ausgedehnten Handelstouren durch die ganze Welt mit und boten sie als Austauschware an. So verbreitete sich der spanische Wein zunächst im Mittelmeerraum und in Nordafrika und schließlich weltweit.

Später waren es dann die Römer, die den Weinbau und die Herstellung von Wein auf der iberischen Halbinsel fortführten und den Herstellungsprozess auf ihre Art und Weise verfeinerten. Sie lagerten den jungen Wein beispielsweise zum Reifen in Amphoren aus Ton, die sie an besonderen Orten aufstellten, zum Beispiel an sonnenverwöhnten Stellen oder auch in der Nähe von Kaminen. So erhielt der Wein der Römer ein besonderes Aroma, in dem sich unter anderem die Düfte von Bäumen, Früchten und Blumen widerspiegelten, und die außerdem einen angenehm rauchigen Geschmack aufwiesen. Schon in der Zeit der Phönizier hatten die spanischen Weine als Handelsgut eine große Bedeutung erreicht, die Römer bauten diese noch einmal aus.

Zum Stillstand kam die Entwicklung des Weinbaus in Spanien dann infolge des Niedergangs des römischen Reiches. Als die ersten germanischen Horden auf der iberischen Halbinsel einfielen, zerstörten sie viele bestehende Weinanbauflächen. Erst die Ankunft der Westgoten konnte diese Entwicklung aufhalten, sie erkannten die große Bedeutung des Weinbaus in Spanien und verhinderten eine weitere Zerstörung der Anbauflächen.

Zu Problemen kam es dann wieder, als die Araber im 8. Jahrhundert die iberische Halbinsel eroberten. Obwohl der Weinbau sich bereits sehr gut entwickelt hatte und weit fortgeschritten war, stagnierte dieser in der Folge wieder, da die Araber aufgrund ihrer Religion keine fermentierten alkoholischen Getränke zu sich nehmen durften. Lediglich in sehr kleinem Rahmen wurde der Weinbau in Spanien weitergeführt, es oblag den verbliebenen Christen im Land, insbesondere den Klöstern, diese Tradition fortzuführen.

Erst durch die Rückeroberung der Halbinsel gelang schließlich der endgültige Durchbruch des Weinbaus in Spanien. Es waren insbesondere die katholischen Könige, welche die Tradition der Weinkultur fortführten und wieder aufbauten. Und dies nicht ohne Grund, denn der Wein war ein unerlässliches Relikt für fast alle religiösen Riten. Noch heute kennt man dies im Christentum vom Abendmahl, bei dem ebenfalls Wein ausgeschenkt wird.

Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich die „Karriere“ des spanischen Weines steil nach oben, was auch den vielfältigen Reformen und Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität zu verdanken ist. Insbesondere im 20. Jahrhundert wurden neue industrielle Verarbeitungstechniken eingeführt, welche die bis dahin über Jahrhunderte überlieferten handwerklichen Traditionen weitgehend ersetzen.

Trotz dieser kontinuierlichen Weiterentwicklung wurde der Weinbau in Spanien immer wieder durch verschiedene Ereignisse verlangsamt oder ganz zum Erliegen gebracht. Solche Ereignisse waren beispielsweise die Plage durch die Reblaus im 19. Jahrhundert, welche weite Teile der Weinanbaugebiete in Spanien zerstörte, aber auch verschiedene Kriege, zum Beispiel der Spanische Bürgerkrieg oder auch der Zweite Weltkrieg. Trotz all dieser Hindernisse entwickelte sich Spanien im Laufe der Zeit zu einer führenden Weinbaunation. Heute kommen einige der besten Weine der Welt aus diesem Land.

Verschiedenen spanischen Rebsorten

Rebpflanzen gehören zu den ältesten Pflanzen auf der Erde, es gab sie schon vor mehr als 100 Millionen Jahren. In Nordeuropa, England und Nordamerika wurden Samen von Rebpflanzen gefunden, denen ein Alter von mehr als 60 Millionen Jahren attestiert werden konnte. In der Folge breiteten sich diese Pflanzen rasant auf der gesamten Erde aus.

Einen Einschnitt gab es jedoch, als sich die letzte Eiszeit ausbreitete. In diesem Zuge verschwanden rund 500 frostempfindliche Arten von Rebpflanzen. Andere dagegen überstanden die kalte Zeit, um sich nach der Verbesserung des Klimas wieder durchzusetzen und sich über die nördliche Hemisphäre erneut auszubreiten.

In Europa war es insbesondere die Wildrebe Vitis vinifera, welche die Dauer der Eiszeit überstand. Diese Wildrebe fand sich wiederum überwiegend in der Region rund um das Mittelmeer, und dort verstärkt auf der iberischen Halbinsel. Die Rebe gilt daher als genetische Basis sämtlicher Kulturreben, aus denen heute Wein hergestellt wird. Somit lässt sich Spanien als „Urregion“ sämtlicher heutigen Weine in Europa bezeichnen.

Aus dieser Urrebe entwickelten sich im Laufe der Jahrtausende viele weitere Rebsorten. Heute gibt es in Spanien insgesamt 146 anerkannte und eingetragene Rebsorten. Damit gehört das Land zu den abwechslungsreichsten und vielseitigsten Weinbaukulturen in der gesamten Welt. Die bekanntesten und verbreitetsten Rebsorten sind die rote Garnacha und die weiße Airén. Letztere gilt als die meist angebaute Rebsorte der Welt.

Spanische Rotweine

Spanien ist bekannt für seine gehaltvollen, frischen und feinwürzigen Rotweine. Dabei besitzt das Land den größten Anteil an Rebflächen in ganz Europa. Die Erträge fallen allerdings geringer aus als beispielsweise im Nachbarland Frankreich, was insbesondere dem heißen, trockenen Wetter geschuldet ist. Nichtsdestotrotz erfreut sich spanischer Rotwein immer größerer Beliebtheit bei Weinkennern in aller Welt, er ist sogar dabei, die teilweise sehr teuren französischen Rotweine an Beliebtheit zu übertreffen.

Als sehr hochwertigen spanischen Rotwein sehen viele Kenner auch heute noch den Rioja an. Er kommt aus dem hoch gelegenen Anbaugebiet direkt am Fluss Ebro und gilt als einer der besten Rotweine der Welt. Doch der Rioja steht heute längst nicht mehr allein für qualitativ hervorragende spanische Rotweine. Das heiße und trockene Klima ist die beste Basis für besonders gehaltvolle und kräftige Rotweine mit einer großartigen Geschmacksvielfalt. Viele dieser Rotweine werden in Barrique-Fässern ausgebaut und entwickeln sich dadurch zu einer ganz besonderen Delikatesse. Aber auch die flaschengereiften Rotweine Spaniens stehen denen anderer Weinbaunationen in nichts nach. Trotzdem gilt beispielsweise ein guter Gran Reserva als Höhepunkt jedes opulenten Diners.

Für den alltäglichen Genuss eines guten Rotweins muss es jedoch gar nicht ein über viele Jahre fassgereifter Wein sein. Das Anbaugebiet von Rioja und auch das benachbarte Navarra gelten als hervorragende Produzenten für unkomplizierte und vergleichsweise günstige Rotweine, die trotzdem hervorragend munden. Hierzu zählt übrigens auch die Region des Duerotals. Die Rotweine aus diesen Gegenden weisen den typisch erdigen Geschmack auf, sie sind gehaltvoll und besitzen eine tolle Fruchtigkeit. Um das volle Aroma auszukosten, empfiehlt sich eine erhöhte Trinktemperatur von etwa 15-18 Grad.

Ganz im Gegensatz zu diesen traditionellen, schweren und gehaltvollen Rotweinen stehen die Weine der Region Katalonien. Hier sitzen sie – die jungen und experimentierfreudigen Winzer, die den Weinanbau in Spanien innerhalb der letzten Jahre deutlich nach vorne gebracht haben. Diese Winzer achten insbesondere darauf, einen Gegenpol zu den bekannten schweren und gehaltvollen spanischen Rotweinen zu setzen, indem sie leichte Rosé- und Rotweine produzieren, die hervorragend zur mediterranen Küche passen. Dafür werden nicht nur einheimische Rebsorten veredelt, sondern auch solche aus anderen Ländern importiert. Beispiele hierfür sind die Edelrebe Cabernet Sauvignon sowie die einfacheren Rebsorten Grenache und Syrah.

In der Region Katalonien wird außerdem ein Großteil der spanischen Schaumweine, genannt Cava, produziert. Der Süden des Landes dagegen ist bekannt für seinen Sherry, er wird dort in den verschiedensten Ausprägungen – lieblich süß, halbtrocken oder trocken – hergestellt.

Wie Sie sehen, ist die Vielfalt der Rotweine und der daraus hergestellten Produkte in Spanien äußerst groß. Es macht einfach Spaß, sich durch die verschiedenen Weine und Rebsorten zu probieren, zumal die spanischen Rotweine gegenüber beispielsweise denen aus Frankreich viel erschwinglicher geblieben sind.

Spanische Weißweine

Wer die Begriffe Weinanbau und Spanien hört, der denkt in der Regel zuerst an einen guten Rotwein. Was viele nicht wissen: Mehr als die Hälfte der Weinanbaufläche in Spanien ist mit weißen Rebsorten bepflanzt. Somit gilt Spanien als der größte Weißweinproduzent in der Welt.

Was macht die spanischen Weißweine so besonders?

Die spanischen Weißweine bilden einen höchst interessanten Gegenpol zu den gehaltvollen und schweren Rotweinen des Landes. Sie sind leicht, spritzig und voller fruchtiger Eleganz, und daher inzwischen in der ganzen Welt äußerst beliebt.

So ist beispielsweise die Region Rioja üblicherweise bekannt für ihren trockenen und kräftigen Rotwein. Was viele nicht wissen: In dieser Region werden auch die Rebsorten für hervorragende Weißweine angebaut.

Das größte Weinanbaugebiet in ganz Spanien ist die Region Kastilien-La Mancha. Hier wird auf mehr als 30.000 ha Anbaufläche neben Garnacha und Tempranillo vor allem die Rebsorte Airén angebaut – die mit Abstand meist angebaute Rebsorte in Spanien und weltweit inzwischen auf Rang drei. Die Anbaufläche dieser Rebsorte ist allerdings mittlerweile stark im Rückgang, da sie durch andere Rebsorten nach und nach verdrängt wird.

Trotzdem schwören immer noch viele Weinkenner auf die Weine aus der Airén-Rebe. Sie sind hellgelb, besitzen einen vergleichsweise hohen Alkoholgehalt und schmecken klar und neutral. Auch als Grundlage für die Destillation vieler typisch spanischer Spirituosen werden Airén-Weine herangezogen – ebenfalls ein Grund dafür, warum die Rebe in Spanien immer noch eine solch große Verbreitung findet.

Da in den letzten Jahren und Jahrzehnten die Kellertechnik in Spanien stark überarbeitet und modernisiert wurde und neue Verfahren Einzug hielten, konnten die Weine aus der Airén- Traube in ihrer Qualität deutlich gesteigert werden. Sie gelten heute als frische und trockene, sehr angenehm zu trinkende Weißweine und stehen auf einer Stufe mit den Weinen aus der französischen „Ugni Blanc“ Rebe.

Ein weiteres bedeutendes Anbaugebiet für weiße Rebsorten in Spanien ist die Region Galicien. Hier wird ins

besondere die Rebsorte Albarino angebaut, und zwar hauptsächlich in den Gegenden um Monterrei und Rias Baixas. Von dort kommen besonders fruchtige, spritzige Weißweine mit deutlichen Noten verschiedener Früchte wie Äpfel, Birnen oder auch Pfirsich.

Insgesamt haben die spanischen Weißweine innerhalb der letzten Jahrzehnten durch zahlreiche Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung und Qualitätssicherung einen großen Sprung nach vorne gemacht. Sie erfreuen sich heute bei Weinkennern in aller Welt großer Beliebtheit und stehen den Weißweinen anderer großer Weinnationen nicht mehr nach.